Warum das Prinzip des Minimum Viable Product bei Marken keinen Sinn macht

Wir entwickeln das kleinste, überlebensfähige Produkt, um unsere Geschäftsidee an den Start zu bringen. Wenn es funktioniert, cool! Wenn nicht, wird entweder optimiert, oder die nächste Idee ausprobiert. Man fragt die Zielgruppe, was sie sich wünscht oder versucht das Produkt anhand von Analysedaten zu optimieren. Natürlich macht das Prinzip Sinn. Wenn man jemand von denen ist, die zehn Onlineshops und fünf Amazon-Produkte aus China laufen haben, ist das sicher ein interessanter Grundgedanke, der einem viel Aufwand erspart. Für das Produkt. Für unsere Marke ergibt dieses Prinzip keinen Sinn.

1.) Menschen wissen nicht, was sie wollen.

Hätte man eine repräsentative Umfrage gestartet, ob die Menschen für ein Smartphone 500€ oder gar das doppelte zahlen wollen, wäre die Antwort klar gewesen. Dennoch ist das iPhone das meistverkaufteste Smartphone der Welt. Generell wird bei neuen Designs oder Funktionen erst mal gemeckert. Die Smartphones werden immer größer. Das ist zu groß. Wenn man heute ein altes Smartphone in die Hand nimmt, weiß man den großen Bildschirm sehr zu schätzen. Erinnerst du dich an die Einführung der Facebook Chronik im Dezember 2011? Sie wurde von der überwiegenden Mehrheit der Nutzer abgelehnt. Und mal ehrlich, diese Pinnwand-Funktion vorher war schon ziemlich langweilig. Wie sollen wir also unsere User fragen, was sie sich wünschen, wenn sie es selbst am schlechtesten beurteilen können?

2.) Feedback einholen ist schwierig.

Wenn ich mit meinem Internetanbieter telefoniere, bekomme ich wenige Minuten später eine SMS mit der Bitte um Bewertung des Servicemitarbeiters. Ob ich das dann mache, liegt ganz an meiner Laune. Vermutlich nicht. Sich Feedback der relevanten Zielgruppe einzuholen ist also relativ schwierig. Im Bezug auf unsere Marke jedoch fast unmöglich. Mit einem schlechten Branding bekommen wir weniger Kunden, die wir überhaupt um Feedback bitten können. Ob einer von den wenigen dann seine Zeit opfert, bleibt fragwürdig. Wen sollen wir also fragen, wenn wir vorher alle abschrecken?

3.) Wir wissen nicht, woran es scheitert.

Der Erfolg von Ideen ist weder kalkulierbar, noch kann man herausfinden, woran dieser gelegen hat. Das erfolgreichste Lied aller Zeiten ist „White Christmas“ von Bing Crosby. Angenommen die Melodie, der Text, die Stimme und der Name des Liedes kommt von unterschiedlichen Personen. Welcher dieser Faktoren hat nun zu diesem Erfolg geführt? Wäre das Lied auch so erfolgreich, hätte es anders geheißen oder jemand anderes hätte es gesungen? Wäre es fünf bpm schneller – wie sähe es dann aus? Erfolg lässt sich nicht auf seine Bestandteile herunter brechen, weswegen jedes Puzzlteil des eigenen Brandings zu diesem führen kann. Wie finden wir nun heraus, ob unsere Idee funktioniert, wenn wir alles so gut wie möglich abbilden?

4.) Reichweite kostet Geld.

Heutzutage gibt es unzählige Firmen, die sich selbst in die Welt tragen. Auf Social Media Plattformen bekommt man in Zeitabständen von wenigen Sekunden Werbung auf Werbung auf Werbung angezeigt. Sich hierbei ohne Geld zu investieren mit einem neuen Produkt oder Service an die Spitze zu stellen, ist ohne entsprechendes Werbebudget sehr schwierig. Demnach liegt es in der Sache der Natur, darauf zu achten, dass man das verfügbare Budget so effizient wie möglich einsetzt. Jeder in Werbung investierte Euro ist jedoch verbranntes Geld, wenn er seinen maximalen Nutzen nicht entfalten kann. Ist es daher wirklich sinnvoll beispielsweise eine Webseite zu bewerben, die 1% der Besucher in Käufer umwandelt, wenn man die Quote zuvor auch auf 10% hochschrauben könnte?

Unsere Marke ist nicht das Produkt.

Wir erinnern uns an die Definition einer Marke: Das was die Menschen über uns sagen, wenn wir nicht im Raum sind. Das was die Menschen denken und assoziieren. Wir können niemanden um Feedback fragen, der nicht von uns überzeugt ist. Und selbst wenn, weiß er gar nicht was er wirklich möchte. Wir werden nie herausfinden, welcher Bestandteil unseres Brandins ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg war und das kostet uns auch noch richtig viel Geld. Die Optimierung eines Produkts ist da eine völlig andere Sache. Hier kann man fragen, was den User gestört hat, was er sich wünschen würde. Im Bezug auf die eigene Marke gilt nur ein einziger Ansatz: Geil oder gar nicht.

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